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Vom Wesen und Wert der Freundschaft

Freundschaften bereichern unser Leben in vielerlei Hinsicht. Freunde bringen uns zum Lachen, wir teilen mit ihnen Erinnerungen und unser Glück, wir gehen mit ihnen mit durch Dick und Dünn. Manch ein Freund begleitet uns ein Leben lang, andere gehen nur ein Stück unseres Wegs mit uns. Doch was macht eine Freundschaft eigentlich aus, und warum sind Freundschafte so wichtig?



„Letztendlich sind es die Verbindungen, die unser Leben bereichern" (Ernest Hemmingway)

Bereits die alten Griechen erkannten, wie wichtig Freundschaften für den Menschen sind und so beschäftigten sich viele der Philosophen (natürlich nicht nur die Griechen) mit dem Wesen und dem Wert von Freundschaft.

Aristoteles prägte den Begriff der Tugendfreundschaft und beschrieb damit die reinste Form der Freundschaft. Eine Freundschaft, um der Freundschaft willen. In ihr vereinen sich die Selbstliebe und die Liebe für die andere Person. Es geht um den gemeinsamen Weg, die gemeinsame Selbstverwirklichung und das Teilen von Glück.

Zudem definierte er auch die Nutzfreundschaft und die Lustfreundschaft. Bei der Nutzfreundschaft profitieren beide Seiten voneinander, heutzutage könnte man dies vielleicht auf gute Kollegen oder Studienfreunde anwenden. Lustfreundschaften haben gemeinsam Spass und teilen vor allem positive Ereignisse und Vorlieben, zum Beispiel Urlaubsbekanntschaften oder Party-Freunde.

Die Verbindug aller drei Freundschaften ist übrigens möglich. Allerdings sei nur die Tugendfreundschaft von Dauer. Sobald hingegen Nutzen oder Lust nicht mehr vorhanden sein, verlaufen sich die anderen beiden Typen im Sand.



Heutzutage gehen Psychologen davon aus, dass nicht nur gemeinsame Werte und Interessen für die Entstehung von Freundschaft relevant sind, sondern schlicht weg auch räumliche Nähe und die Häufigkeit in der wir mit einer anderen Person in Kontakt treten. Desto häufiger wir mit einer Person in Kontakt sind, desto mehr steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie sympathisch finden. Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Natürlich ist es uns aber auch wichtig, dass uns die Person ähnlich ist, sei es von ihrer Herkunft, ihrem sozialen Status oder ihrer Interessen.

Was unterscheidet Freundschaft von anderen persönlichen Beziehungen?

Oftmals heißt es, dass Freunde unsere Wahlfamilie sind. Wir suchen uns bewusst aus, mit wem wir befreundet sein möchten und zu wem wir eine tiefere Verbindung eingehen möchten. Wir suchen uns Menschen, die uns ähnlich sind und unsere Werte teilen und leben. Menschen mit denen wir etwas gemein haben. Freundschaft ist also freiwillig, wir gehen diese Beziehungen bewusst ein. Und darin liegt auch schon der wesentliche Unterschied zur Familie. Denn in diese werden wir hineingeboren und es gibt einige Leute, die sich nie ganz verstanden oder zugehörig zur Familie fühlen.


Die Liebe zu einem Partner beginnt nicht selten mit einem Knall. Wenn wir uns verlieben, spielen auch die Hormone eine wesentliche Rolle. Oftmals denken wir nicht mehr ganz klar und haben ein hohes Bedürfnis nach (körperlicher) Nähe zu der anderen Person. Zudem spielt Sexualität und das Verlangen, die andere Person zu küssen und anzufassen eine wesentliche Rolle. Ein Aspekt der bei einer normalen Freundschaft meist nicht vorhanden ist


Auch, wenn es zu Trennungen kommt unterscheidet sich die Freundschaft von Liebe und Verwandtschaft. Während man sich von seinem Partner oft mit mehr Streit und Drama trennt, trennt man sich von Freundschaften meist im Stillen. Die meisten Freundschaften verlaufen sich. Gründe sind vielfältig.


Warum tun uns Freundschaften so gut?


Freunde bieten uns einen sichern emotionalen Rahmen und helfen uns gleichzeitig aus unserer Komfort-Zone herauszutreten. Das ist wichtig, da wir unsso austesten können und so ein Entwicklungspotenzial entsteht. Unsere Freunde erleben uns häufig in unterschiedlichen Lebensphasen und können uns ein wichtiger Spiegel sein, indem sie uns ehrlich Feedback geben, uns auf den Boden der Tatsachen zurückbringen oder uns in unseren Träumen unterstützen.


Freundschaften sind nicht nur gut für unsere Seele und unser Herz. Wer Freundschaften pflegt tut auch etwas für seine mentale und sogar seine körperliche Gesundheit. Es gibt unterschiedliche Studien, u.a. von der Harvard Universität, die zeigen, dass Freundschaften gegen Depressionen gegenwirken können. Andere Studien haben gezeigt, dass Freundschaften sich sogar positiv auf unser Herz-Kreislauf-System auswirken können, sowie auf die Senkung unserer Stresshormone. Schon alleine der Gedanke an einen guten Freund, kann unsere Laune heben.


Wenn wir uns mit positiven Menschen umgehen, hat das langfristig auch eine Auswirkung darauf, wie wir auf die Welt blicken. Freundschaften lernen uns das Prinzip von Güte und Hilfsbereitschaft. Freundschaften lehren uns sowohl Hilfe anzubieten, als auch Hilfe anzunehmen.


Mit dem Alter kann es passieren, dass sich unser Freundschaftskreis verkleinert. Das liegt wohl vor allem daran, dass wir unsere Beziehungen sorgfältig auswählen. Wir setzen andere Prioritäten, wie Partnerschaft, Ehe; unsere Kinder oder auch unseren Beruf und gestalten unsere Freundschaften so, dass wie unseren Lebensumständen passen. Angeblich haben Erwachsene im Schnitt "nur" 2-3 richtig enge Freunschaften. Der restliche Freunschaftskreis sind her gute Bekanntschaften, das ändert auch eine lange Freudschaftsliste auf Facebook nicht.


Wie du für mehr Verbundenheit sorgen kannst.


Vielleicht gibt es ja in deinem Leben eine Person, zu der du dir mehr Verbundenheit wünscht. Um diese Verbundenheit zu verstärken, gehe den ersten Schritt. Vielleicht wünscht du dir ja auch allgemein mehr Verbundenheit in deinem Leben.


1. Nimm dir einen Moment Zeit und an eine Freundin oder einen Freund denken, zu der du dir mehr Verbundenheit wünscht

2. Schreibe den Namen der ersten Person auf, die dir in den Kopf kommt. Höre auf dein Herz. Es kennt genau die richtige Antwort für diesen Moment.

3. Überlege dir ,warum genau diese Person nun auf deinem Blatt steht.

4. Überlege dir, was du tun kannst, um für mehr Verbundenheit mit dieser Person zu sorge.

5. Überlege dir, was du sofort tun kannst, um mit dieser Person für mehr Verbundenheit zu sorgen.


Um für mehr Verbundenheit zu sorgen, musst du übrigens nichts Großes machen. Vielleicht ist es ein kurzer Anruf oder eine Textnachricht, in der du der Person sagst, dass du gerade an sie denkst. Oder du bringst einer guten Freundin oder Freund das nächste mal eine kleine Aufmerksamkeit mit.


Eine Freundschaft ist übrigens stabiler, wenn beide das selbe Verständnis von Freunschaft haben und die gleiche Vorstellung darüber haben, was einen guten Freund oder eine gute Freund*in ausmacht. Das sind oft unausgeprochene Werte, die wir mal mehr, mal weniger bewusst in uns tragen. Kommt es einmal zu einem Konflikt ist es daher ratsam über die eigenen Bedürfnisse zu reden, sich seiner Werte bewusst zu werden und diese mit seinem Freund zu bereden. Satt Konfliktvermeidung, sollte zumindest der Versuch gestartet werden, den Konflikt offen zu klären. Sollte es dann dennoch zu einer Trennung kommen, so geht man zumindest im Guten und mit Klarheit auseinander. Gerade, wenn dir die Freundschaft einmal sehr wichtig war, ist das wichigt für euch beide. Tut ihr euch beide nicht mehr gut, dann bedanke dich für die schönen Momente, die Unterstützung, das gemeinsame Lachen und Weinen und lass in Frieden mit dir und der anderen Person los.


Und wer weiß, vielleicht gäbe es auch dieser Basis ja auch ein Revival.





Quellen:

Die Gesetzte der Freundschaft (Sarah Zimmermann), 2013: https://www.spektrum.de/news/die-gesetze-der-freundschaft/1190912

Freundschaft - Eine Analyse (Eugen-Maria Schulak), 2009: http://www.philosophische-praxis.at/freundschaftneu.html

Von wahrer Freundschaft, 2019, Auszeit Magazin, Auerbach Verlag

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